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Die Gratis-Gesellschaft

by karlstiefel - 8th July 2011 13:00 [Ich zahl doch nicht für sowas ...] 2 3 »
0 Euro
Freeware, Piraterie, free2play-Spiele - wir sind es mittlerweile schon gewohnt, Inhalte kostenlos zu erhalten. Aber woher kommt die Gratis-Gesellschaft eigentlich? Welchen Einfluss hat sie auf die Industrie und - wohl am wichtigsten - was bringt sie uns?

Ich zahl doch nicht für sowas ...

Wenn ihr diesen Artikel lest, kostet es euch nichts. Er ist also gratis. Aber eine Weisheit besagt „There is no such thing as free lunch“ – irgendwer zahlt immer. Wie kann es also sein, dass ihr nicht diejenigen seid, die dafür blechen müssen? Nun, im Endeffekt zahlt ihr ja für diese Zeilen hier, bloß eben nicht direkt. Außer ihr habt ein overclockers.at Geek Package, dann zahlt ihr natürlich etwas in dieselbe Kasse ein, bekommt dafür aber auch eine direkte Gegenleistung. Eine davon ist beispielsweise die Möglichkeit, die Werbebanner zu deaktivieren. Hat man also einen normalen oder gar keinen Account und keinen Popup-Blocker, sieht man die Reklame auf der Seite. Durch eure reine Anwesenheit und idealerweise durch das Anklicken der Banner wird ein kleiner Betrag für den Betreiber generiert. Das Geld geht an den werten Herren mat, der seinen fleißigen Mitarbeitern wiederum einen Obolus für ihre Arbeit zukommen lässt. Um hier herzukommen, braucht ihr auch eine Internet-Anbindung, eine Stromleitung und ein Gerät, welches die Inhalte wiedergeben kann - Computer, Smartphone und dergleichen. Das alles habt ihr bezahlt, um schließlich hier zu landen. Gratis gibt es eben nicht.

Sehen wir aber einmal ab von den Anschaffungs- und laufenden Kosten, dann sind doch eine Menge Dienste für euch kostenlos. YouTube, Facebook, Wikipedia, Google, Twitter – keine dieser Seiten möchte von euch für die Verwendung Geld sehen. Auch Programme wie Skype, zahlreiche Virenscanner, Steam oder Open Office sind kostenlos. Sogar ganze Betriebssysteme könnt ihr für lau bekommen! Aber wie kam es zu dem Umstand, dass dermaßen nützliche Produkte und Services einfach so verschenkt werden? Drehen wir die Uhren zurück: Wir schreiben das Jahr 1999. Ein gewisser Shawn Fanning bastelt ein Peer2Peer-Programm in seiner Studentenbude und benennt es nach seinem eigenen Spitznamen, Napster. Die Auswirkungen der illegalen Tauschbörse auf alle digitalen Medien waren enorm. Plötzlich konnten Musik, Filme und Software in bisher unbekannter Einfachheit heruntergeladen werden. Man suchte nach einem Begriff – in meinem Fall war die erste Suchanfrage „Anton aus Tirol“ von DJ Ötzi ... ich bin halt cool! – und in ein paar Minuten war die begehrte Ware auf dem eigenen Rechner. Dass die Download-Kultur der Musik-Branche so massiv schaden würde, hätte keiner der Benutzer (2001 waren es 80 Millionen) damals gedacht. Es folgten massig Klagen, unter anderem von der Metal-Band Metallica. Acht Jahre später sollte die Funktionalität von Napster in dieser Form komplett eingestellt werden, es folgten jedoch ähnliche und bessere P2P-Alternativen wie LimeWire, Morpheus, BearShare (alle auf Gnutella-Basis, mmmhhh Nutella!), BitTorrent oder das sehr erfolgreiche KaZaA und sein FastTrack-Network. Zwar wurden die Services auf Gerichtsbeschluss mit mehr oder weniger funktionierenden Filter-Funktionen ausgestattet, doch die Wirkung war unumkehrbar. Das Zeitalter der Piraterie für die Massen war angebrochen und dieses Mal waren es nicht Grog saufende Freibeuter oder Aschenbecher-tragende, verpickelte Nerds, sondern die süßen Mädels aus der Nachbarschaft, von denen man so etwas nie gedacht hätte. Willkommen im 21. Jahrhundert!

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Shawn Fanning und sein Napster: Diese beiden Gesichter haben unsere moderne Medienlandschaft verändert.


Dieses offiziell verachtete Prinzip eines Musik-Downloads wurde Jahre später für iTunes und Konsorten übernommen - manche mehr und andere weniger erfolgreich. Um diverse Tauschgeschäfte mit den heruntergeladenen Lieder zu vermeiden, wurden die Daten mit einem DRM-System (Digital Rights Management) versehen. So musste vor dem Abspielen eines Liedes zuerst die Lizenz vorgewiesen und überprüft werden, was teilweise sogar eine Server-Verbindung zum jeweiligen Anbieter erforderte. Wer also beim weniger erfolgreichen Service seine Lieder und Alben gekauft hat, stand schnell mit leeren Händen da. Illegale Downloads hingegen hatten keinen DRM-Schutz und obwohl die Qualität oftmals zu wünschen übrig ließ, waren sie noch immer die bessere Alternative zu den stark geschützten und problematischen Verwandten. Dennoch wehrten sich die Plattenfirmen verzweifelt und kamen von Zeit zu Zeit auf glorreiche Ideen. Zum Beispiel gestalteten sie ihre Alben so, dass diese nur mit einem auf der CD vorhandenen Player wiedergegeben werden konnten. Ein fataler Fehler für eine stets größer werdende Zielgruppe, die ihre Musik auf einem MP3-Player haben wollte. Diese zwang man so nämlich auch noch dazu, auf illegale Downloads zurückzugreifen. Verkaufssteigernd war ein solches Vorgehen also sicherlich nicht.

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So klobig er auch heute aussieht, der iPod prägte das vergangene Jahrzehnt.

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